Mai 2002
Balkan im Wandel
Aussöhnung und Neubeginn. Das Haager Tribunal und seine Folgen 
Standpunkte von Rafael Biermann
Die erste Runde in Den Haag ist an Slobodan Milosevic gegangen, so der Balkan-Experte Biermann: Der Meister medialer Dramaturgie und populistischer Selbstinszenierung nutzt das Tribunal als politische Bühne. Ohne die Aufdeckung der historischen Wahrheit ist Aussöhnung auf dem Balkan allerdings nicht möglich, doch diese braucht viel Zeit.
Ethnische Minderheiten in Serbien und Montenegro. Die Angst der Balkan-Länder vor Separatismus 
Analyse von Antonina Zhelyazkova
Bosnische Muslime in Sandschak, Ungarn in der Wojwodina, Albaner in Serbien und Montenegro sowie Roma in Kosovo: das Problem der Minderheiten auf dem Balkan sorgt nach wie vor für Sprengstoff. Die Angst vor dem endgültigen Zerfall der Region in kleinste Entitäten ist allgegenwärtig. Besonders gefährdet sei die Stabilität durch die nationalistischen Bestrebungen der Albaner, so die bulgarische Historikerin.
Ist Frieden auf dem Balkan möglich? 
Essay von Elizabeth Pond
Auf dem Balkan macht sich die Kriegserschöpfung breit: die gemäßigten Kräfte in Serbien, Kroatien und Bosnien sind bemüht, den Weg für Wohlstand und Frieden zu ebnen. In Bulgarien und Rumänien ist es seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr zu Gewaltausbrüchen gekommen. Testfälle für den Frieden sind allerdings Albanien, Mazedonien und Montenegro.
Neue EU-Nachbarn. Strategien gegenüber Südost- und Osteuropa jenseits der Erweiterung 
Analyse von Iris Kempe und Wim van Meurs
Die Osterweiterung der EU beschert ihr neue Außengrenzen und damit neue Nachbarn. Nach dem Vorbild der Osterweiterung ist die Union beim Aufbau einer engeren Zusammenarbeit mit den Ländern Ost- und Südosteuropas bereits sehr aktiv. Dass Südosteuropa mittelfristig der EU beitreten wird, scheint dabei fast schon beschlossene Sache zu sein.
Testfall Balkan. Die ESVP und die transatlantischen Beziehungen 
Analyse von Hans-Georg Ehrhart
Wenn die EU ab 1. Januar 2003 die Internationale Polizeieinsatztruppe in Bosnien-Herzegowina und vielleicht auch die Mission in Mazedonien übernimmt, tut sie dies vor allem, um der bisher erst an ihrem Anfang stehenden Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik Leben einzuhauchen. Mit den beiden Einsätzen kann die EU zu einer besseren Lastenteilung mit den USA beitragen und die ESVP in einem überschaubaren Rahmen in der Praxis erproben.
Zukunft des Stabilitätspakts. Das Engagement der Europäer in Südosteuropa 
Standpunkte von Erhard Busek
Der Koordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa identifiziert drei Dreiecksverhältnisse, die eine besondere Sprengkraft entwickeln können und wo die Stabilität jederzeit akut gefährdet sein kann. Über wirtschaftliche Investitionen hinaus muss der Stabilitätspakt die Entwicklung von Demokratie und „good governance“ im Auge behalten.
Der Wiederaufbau Afghanistans. Das Engagement von Weltbank, IWF und EU 
Analyse von Barbara Balaj
Afghanistan ist heute ein verwüstetes Land, es gehörte schon vor der über 20 Jahre währenden Konfliktzeit zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Doch erfolgreiche Beispiele des Wiederaufbaus – Europa nach 1945 und die Länder des Balkans – können Hoffnung geben, wenn die internationale Gemeinschaft und Afghanistan gut kooperieren und die Hilfe koordiniert wird.
Eine KSZE für den Nahen Osten 
Standpunkte von Klaus Kinkel
Europa hat bei der Überwindung des Ost-West-Konflikts mit dem KSZE-Prozess gute Erfahrungen gemacht – auch die Friedensaussichten im Nahen Osten könnten von solch einem Prozess profitieren, wenn man als Ausgangslage für die Arbeit der so genannten KSZNO die im Grunde allen bekannten Lösungsmodelle dieses Konflikts nehmen würde. Deutschland sollte in der EU den Anstoß für diese Initiative geben, um die guten Beziehungen zu allen Beteiligten zu nutzen.
Vorschläge zur EU-Reform. Die Perspektive der Beitrittskandidaten 
Standpunkte von Janis A. Emmanouilidis und Martin Brusis
Die historische Herausforderung einer Erweiterung auf 27 und mehr Mitglieder bedingt eine grundlegende Reform der EU. Aus der Kandidatenperspektive ergeben sich drei zentrale Prioritäten: die Entwicklung einer umfassenden Sicherheitspolitik, die Neudefinition von Solidarität in einer erweiterten Union und die Stärkung demokratischer Strukturen auf europäischer Ebene.
Buchkritik 
- Stabilität im größeren Europa. Wege zu Demokratie und Marktwirtschaft
- Eine Würdigung herausragenden. außenpolitischen Wirkens
- Lektion Kosovo
Dokumentation 
- Abkommen über die Prinzipien der Beziehungen zwischen Serbien und Montenegro in der Staatenunion, unterzeichnet am 14. März 2002 in Belgrad
- Anlage II der Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates von Göteborg am 15. und 16. Juni 2001
- Erklärung des Präsidenten des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen vom 9. November 2001 zu Kosovo
- Erklärung zur ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien, Anlage III der Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates von Stockholm am 23. und 24. März 2001
- Grundlagen der Außenpolitik Bosnien-Herzegowinas, von der Präsidentschaft veröffentlicht am 14. September 2001 in Sarajewo
- Grundlagenpapier der Regierung von Montenegro zu den künftigen Beziehungen mit Serbien vom 28. Dezember 2000
- Pressekonferenz des NATO-Generalsekretärs, Lord Robertson, am 14. September 2001 im Presse- und Informationszentrum der Alliierten (APIC) in Skopje
- Presseerklärung der Regierung der Republik Kroatien anlässlich der Unterzeichnung des Stabilisierungs- und Assoziationsabkommens zwischen der Republik Kroatien und den Europäischen Gemeinschaften und ihren Mitgliedstaaten in Luxemburg vom 29. Oktober 2001
- Rahmenabkommen zwischen der Republik Mazedonien und der Euro-Atlantischen Gemeinschaft, verabschiedet am 13. August 2001 in Ohrid (Mazedonien - Auszüge)
- Rede des deutschen Außenministers, Joschka Fischer, zur Entwicklung in Südosteuropa und der Lage in Mazedonien vor dem Deutschen Bundestag am 6. Juli 2001 in Berlin (Auszüge)
- Rede des deutschen Bundeskanzlers, Gerhard Schröder, zur Beteiligung deutscher Streitkräfte an dem NATO-geführten Einsatz in Mazedonien vor dem Deutschen Bundestag am 29. August 2001 in Berlin (Auszüge)
- Rede des deutschen Verteidigungsministers, Rudolf Scharping, zur aktuellen Entwicklung in Südosteuropa und der Lage in Mazedonien vor dem Deutschen Bundestag am 6. Juli 2001 in Berlin (Auszug)
- Rede von Außenminister Joschka Fischer zur Beteiligung deutscher Streitkräfte am NATO-Einsatz in Mazedonien vor dem Deutschen Bundestag am 29. August 2001 in Berlin (Auszüge)
- Resolution 1345 (2001) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu Mazedonien vom 21. März 2001
- Resolution 1357 (2001) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu Bosnien-Herzegowina vom 21. Juni 2001
- Resolution 1362 (2001) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu Kroatien vom 11. Juli 2001
- Resolution 1367 (2001) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zur Aufhebung der Sanktionen gegen Jugoslawien vom 10. September 2001
- Resolution 1371 (2001) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu Mazedonien vom 26. September 2001
- Resolution 1387 (2002) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu Kroatien und Jugoslawien vom 15. Januar 2002
- Resolution 1396 (2002) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu Bosnien-Herzegowina vom 5. März 2002
- Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates von Barcelona am 15. und 16. März 2002 (Auszug)
- Schlussfolgerungen des Vorsitzes des Europäischen Rates von Laeken am 14. und 15. Dezember 2001 (Auszug zum westlichen Balkan)
- Stellungnahme von der Abteilungsleiterin für europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Elizabeth Jones, zur Lage auf dem Balkan vor einem Unterausschuss des Repräsentantenhauses am 11. Juli 2001 in Washington, DC (Auszüge)
- Vorschlag des jugoslawischen Präsidenten, Vojislav Kostunica, für den Wiederaufbau Jugoslawiens, gebilligt von der Demokratischen Opposition Serbiens, veröffentlicht von der Nachrichtenagentur Tanjug am 10. Januar 2001





