Dezember 2000

Globale Gefahren

Titelthema

Das Biosafety-Protokoll in der Praxis. Konflikte bleiben programmiert

Analyse von Jürgen Turek und Sascha Meinert

Im Januar 2000 einigten sich Regierungsvertreter aus über 130 Ländern in Montreal auf ein Biosafety- Protokoll, in dem verbindliche Regeln für den grenzüberschreitenden Handel mit gentechnisch veränderten Organismen festgelegt werden. Trotz seiner vagen und zaghaften Bestimmungen sollte das Dokument nach Meinung der Verfasser als aktueller Konsens der Staatengemeinschaft hinsichtlich des Umgangs mit den Herausforderungen der Gentechnologie respektiert werden.

Dem Hunger ein Ende setzen. Herausforderungen für die Politiker

Analyse von Robert L. Paarlberg

Zwei Arten von Hunger, so der amerikanische Politikwissenschaftler, gibt es: akute Hungerkrisen und chronische Unterernährung. Hungerkrisen gehen immer weiter zurück und sind bei erneutem Auftreten gut beherrschbar. Das Fortbestehen chronischer Unterernährung liegt vor allem an der mangelnden Produktivität der lokalen Bauern. Die unbestreitbaren Erfolge der „Grünen Revolution“ haben leider dazu geführt, dass die Anstrengungen für eine Produktivitätserhöhung auch in Trockengebieten erlahmt sind. Doch gerade hier wäre eine Verbesserung dringend nötig, um die chronische Unterernährung zu besiegen.

Eine ökologische Weltordnungspolitik. Globales Umweltmanagement statt Untergangskultur

Analyse von Frank Biermann und Hans-Joachim Schellnhuber

Die rasant fortschreitenden Globalisierungsprozesse tragen ganz wesentlich zur Veränderung der planetarischen Umwelt bei; die Priorität für Wirtschaftswachstum und mehr Beschäftigung verstellt den Blick auf eine „ökologische Krisendynamik“. Die Verfasser diskutieren mögliche Bewältigungsstrategien und fordern eine „internationale Umweltsolidarität“.

Explosion der Weltbevölkerung oder Implosion?

Analyse von Ralf E. Ulrich

Die Weltbevölkerung wächst jährlich um 77 Millionen Menschen. Doch die demographische Entwicklung verläuft nicht überall gleich: Der zu erwartetenden Bevölkerungsexplosion in vielen Entwicklungsländern steht eine Implosion in Ländern wie Deutschland, Italien, aber auch in den von AIDS besonders betroffenen Staaten gegenüber. Ein viel höheres Maß an internationaler Kooperation wird künftig notwendig sein, um zu vermeiden, dass die demographischen Ungleichgewichte zu neuen gefährlichen Konflikten führen.

Gentechnik und Politik. Zur bioethischen Konsensfindung in Europa

Analyse von Ludger Honnefelder

Die bevorstehende Entschlüsselung des menschlichen Genoms wird die Möglichkeiten der Gendiagnostik auf ungekannte Weise erweitern. Schlagworte wie „der gläserne Mensch“ oder „das perfekte Kind“ (durch vorherige Genselektion) prägen die Debatte um die Konsequenzen, die diese wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Humangenetik haben werden. Der Autor erläutert die bisherigen rechtlichen Bestimmungen und plädiert für eine europäische Konsensfindung, die zur Vereinbarung internationaler Grenzen führt – jenseits von technischen Allmachtsphantasien und ethischem Fatalismus.

Kriegsursache der kommenden Generation? Der Kampf um das Wasser

Analyse von Kurt R. Spillmann

In über 80 Ländern der Welt leiden rund 1,7 Milliarden Menschen an absoluter oder chronischer Wasserknappheit. Da für die Verteilung von Wasser keine völkerrechtlich gültigen Regeln existieren, sieht der an der ETH Zürich lehrende Verfasser im Kampf um das Wasser eine mögliche Kriegsursache der kommenden Generation. Die Einbindung der Wasserprobleme in umfassendere Problemzusammenhänge, so Spillmann, könne dieses Risiko jedoch reduzieren und die Suche nach kooperativen Lösungen positiv beeinflussen.

Universale Risiken entschärfen. Erfordert die Globalisierung einen Weltstaat?

Analyse von Andreas Hasenclever und Volker Rittberger

Die Zahl der Probleme, für die es keine lokalen oder nationalen Lösungen mehr gibt, hat zugenommen. Der Klimawandel oder die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen sind zu „Weltproblemen“ geworden, deren Lösung universale Anstrengungen erfordert. Die Verfasser erörtern die Frage, ob es für eine solche Problembearbeitung eines „Weltstaats“ bedarf; sie plädieren dafür, das Regieren auf Weltebene so durchschaubar wie möglich zu machen und damit die Regierenden in der Verantwortung der Bürger zu halten.

Unkonventionelle Kriegführung. Neue Gefährdungen der internationalen Sicherheit

Analyse von Walter Schilling

„Schlauchboot setzt Zerstörer außer Gefecht“ – auf diese und andere Erfolge unkonventioneller Kriegführung macht Walter Schilling in seinem Beitrag aufmerksam. Kleinstaaten, ja sogar nichtstaatliche Akteure stehen heutzutage auch neueste technische Entwicklungen zur Verfügung. Ein langfristig wirksames Abwehrmittel gegen diese Bedrohung sieht Schilling allein in entscheidend verbesserten Methoden der Infiltration und im Einsatz von Undercover-Agenten, wobei modernste technische Mittel eine unterstützende Rolle spielen.

Internationale Politik

Neue Zeitschriftenaufsätze zur internationalen Politik

Beitrag von Bibliothek und Dokumentationsstelle der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.
Service

Buchkritik

Dokumentation zum Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen

Beitrag von Anja Papenfuß

Das ungekürte Schlagwort des Jahres 2000 war wohl der Begriff „Millennium“. Auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, machte häufig Gebrauch davon. Nicht nur zur „Millenniumsgeneralversammlung“ lud er im September ein, sondern auch zum mit 150 Staatsund Regierungschefs größten Treffen in der Geschichte der UN, dem „Millenniumsgipfel“. Bereits im April 2000 hatte er seinen „Millenniumsbericht“ vorgelegt, der als Grundlage für die Debatten auf dem Gipfel vom 6. bis 8. September 2000 dienen sollte. In seiner Rede auf dem Millenniumsgipfel sprach der amerikanische Präsident das Problem der Finanzierung an, der deutsche Bundeskanzler die Frage eines deutschen Sitzes im Sicherheitsrat und der chinesische Staatspräsident die Unterrepräsentierung der Entwicklungsländer in diesem Gremium. Ein weiterer Diskussionsgegenstand war der so genannte „Brahimi-Bericht“ über Friedenseinsätze.

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