Essay

Bedingt tauglich

Essay von Martin Mantzke


Ulrich Albrecht/Helmut Volger (Hrsg.), Lexikon der Internationalen Politik, München/Wien:R. Oldenbourg Verlag 1997, 588 S., 98,00 DM.

Was alles in ein Lexikon hineingehört, ist umstritten, seit es derartige Nachschlagwerke gibt. Jeder, der einen der zumeist dickleibigen Bände zur Hand nimmt, wird anderes suchen bzw. vermissen und daran auch Nutzen und Wert des betreffenden Buches messen.

Dickleibig kommt auch ein neues, von Ulrich Albrecht und Helmut Volger herausgegebenes „Lexikon der Internationalen Politik“ daher; auf fast 600 Seiten werden von mehr als 100 Autoren mehr als 200 Stichworte behandelt, von „ABM-Vertrag“ bis „Zivilgesellschaft“. Zunächst erklären die Herausgeber jedoch, warum dieses neue Lexikon erschienen ist; nach ihren Worten liegt seine Neuigkeit darin, daß die Mehrzahl der Autoren der kritischen Theorie verpflichtet sei, einem Wissenschaftszweig also, der sich nicht so sehr der „zweckfreien Erkenntnis“ verpflichtet fühle, sondern mehr den „gesellschaftlichen Wurzeln internationaler Macht“ nachspüre. Neu sei zudem auch die Einbeziehung des „feministischen und des postmodernen Diskurses“ über internationale Politik.

Was immer damit gemeint sein mag – erwarten darf der Benutzer eines solchen Lexikons umfassende Information; diese allerdings wird ihm nur beschränkt geboten. Was etwa mögen sich die Herausgeber gedacht haben, als sie einen Autor beauftragten, den Begriff „Rente“ zu behandeln und ihm dafür mehr als 14 Spalten einräumt? Das Stichwort „Frieden“ muß mit sechs Spalten auskommen; dem „Krieg“ werden nicht einmal drei eingeräumt. „Faschismus“ wird auf immerhin sechs Spalten abgehandelt, einen Eintrag zum Stichwort „Kommunismus“ sucht man indes vergebens. In dem mehr als fünf Spalten füllenden Eintrag „Hausfrauisierung“ erklärt die Autorin, wie sie bei Spitzenhäklerinnen in Südindien die Anregung zur Prägung dieses Begriffs erhalten hat …

Zweifellos enthält der Band, dessen Lesbarkeit durch die gekünstelte Wortwahl vieler seiner Autoren nicht unbedingt erleichtert wird, eine Reihe von nützlichen, informativen, durch Literaturangaben ergänzten Beiträgen. Den Studierenden, an die er sich vor allem wendet, sei daneben jedoch die Benutzung auch anderer Nachschlagewerke nachdrücklich empfohlen; zur verläßlichen Information über die Internationale Politik taugt dieses Lexikon nämlich nur bedingt.


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