Völkermord

Januar/Februar 2010

Editorial

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Bosnien, Ruanda, Kambodscha: Bürgerkriege und Genozide werfen ihre Schatten auf Staaten und Gesellschaften – oft noch Jahrzehnte nach den Ereignissen. Welche Mechanismen kann man finden, Verbrechen gegen die Menschheit frühzeitig zu erkennen, wann beginnt die Pflicht zum Eingreifen und wie lassen sich Post-Konflikt-Gesellschaften wieder aufbauen? Ein Schwerpunkt über Verbrechen und Verantwortung.

„Mein 20. Jahrhundert“ heißt seine Autobiografie und tatsächlich hat kaum jemand die Umbrüche dieses Jahrhunderts – und der ersten Dekade des neuen Millenniums – aus eigenem Erleben so luzide beschrieben wie der Historiker Walter Laqueur. „Nie wieder Völkermord“ hatte man sich nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geschworen. Es ist eine Leerformel geblieben. Viel sei über dieses Thema in der Vergangenheit geschrieben und gestritten worden, konstatiert Laqueur in seinem Essay für die IP. „Und doch bleibt es fraglich, ob wir bei der Verhinderung dieser Verbrechen wesentlich weitergekommen sind.“ Weder ist rechtlich präzise geklärt, wann von einem Genozid zu sprechen und deshalb eine Intervention gestattet oder sogar verpflichtend wäre, so der Völkerrechtler William A. Schabas. Noch hätten sich bisherige Interventionen als besonders erfolgreich erwiesen.

Auch nach schlimmsten Menschenrechtsverletzungen, Bürgerkriegen oder Genoziden bleibt die Staatengemeinschaft ratlos. Wie können Täter und Opfer – in Ruanda, Kambodscha oder den Ländern Ex-Jugoslawiens – von Neuem einen Modus des Zusammenlebens finden? Wie sind Post-Konflikt-Gesellschaften wieder dauerhaft zu stabilisieren? Diesen Fragen stellt sich die IP in ihrer Januar/Februar-Ausgabe.

190 Länder schickten Delegierte zu den Verhandlungen über ein Post-Kyoto-Protokoll in Kopenhagen. Allein diese Dimension verdeutlicht, wie schwierig es ist, eine gemeinsame Antwort auf den Klimawandel zu finden. Auf Geo-Engineering und damit rein technologische Lösungen zu setzen und den CO2-Ausstoß mit künstlichen Bäumen oder die Sonneneinstrahlung mit Sulphataerosolen zu verringern, scheint darum allzu verlockend. Gerade in den USA wird Geo-Engineering derzeit heftig propagiert. Welche Methoden zur Diskussion stehen, warum manches ethisch bedenklich ist und welche politischen Regelungen notwendig sind, lesen Sie ab Seite 58.

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