Januar/Februar 2010

Völkermord

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Bosnien, Ruanda, Kambodscha: Bürgerkriege und Genozide werfen ihre Schatten auf Staaten und Gesellschaften – oft noch Jahrzehnte nach den Ereignissen. Welche Mechanismen kann man finden, Verbrechen gegen die Menschheit frühzeitig zu erkennen, wann beginnt die Pflicht zum Eingreifen und wie lassen sich Post-Konflikt-Gesellschaften wieder aufbauen? Ein Schwerpunkt über Verbrechen und Verantwortung.

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Titelthema

Verarbeiten, verurteilen, verhindern

Genozid und internationale Gemeinschaft
Beitrag von Walter Laqueur

An ambitionierten Analysen und guten Ratschlägen zum Thema Völkermord herrscht kein Mangel. Eine schlüssige Idee, wie man ihn unterbinden kann, war bislang nicht dabei. Nur eines scheint sicher: Mit einer Übertragung der Verantwortung von den UN auf regionale Organisationen könnte auch nicht weniger unternommen werden, als es zurzeit der Fall ist.

Wahrheit, Gerechtigkeit, Heilung

Was für eine Aufarbeitung nötig ist
Beitrag von Phil Clark

In den meisten Ländern, die schwerste Menschenrechtsverletzungen oder gar einen Völkermord erlebt haben, müssen Täter und Opfer wieder einen Modus des Zusammenlebens finden. Wie aber lässt sich ein gesellschaftlicher Frieden herstellen und eine Fortsetzung des Konflikts vermeiden? Eine Handreichung in sechs Kategorien.

Ausweitung der Kampfzone

Allzweckwaffe mit Nebenwirkungen: Die Geschichte des Genozid-Begriffs
Beitrag von William A. Schabas

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden zwei Begriffe Eingang in das internationale Strafrecht: Genozid und Verbrechen gegen die Menschheit. Ihre Auslegung ist bis zum heutigen Tag umstritten. Besonders der Genozid-Begriff birgt riesiges Mobilisierungspotenzial und dient der Rechtfertigung zweifelhafter Militärinterventionen.

„Kopfgelder haben funktioniert“

Wie eine wirksame Prävention von Völkermord aussehen könnte. Interview mit Daniel Jonah Goldhagen

Interventionen kosten Geld, verschlingen Ressourcen und liegen selten im Interesse selbst demokratischer Staaten. Auch die Vereinten Nationen haben sich bislang nicht als fähig erwiesen, Völkermord zu verhindern. Der Historiker Daniel Jonah Goldhagen fordert deshalb ein Präventionsregime, das auch mit recht ungewöhnlichen Mitteln potenzielle Täter abschrecken soll.

Unüberbrückbar ungleich

Warum Menschen zu Massenmördern werden
Beitrag von Harald Welzer

Wie entsteht Völkermord – sozialpsychologisch gesehen? Im Kern geht es um die Formierung einer Gemeinschaft der „Zugehörigen“, die auf einer radikalen Definition von Nicht-Zugehörigheit basiert. Ist einmal festgelegt, wer dazugehört und wer nicht, ist es nur noch eine graduelle Frage, was mit den aus der Gemeinschaft Ausgeschlossenen geschieht.

„So wichtig wie das tägliche Brot“

Monika Lüke über Vergangenheitsbewältigung in Kambodscha

Lassen sich die Verbrechen der Roten Khmer juristisch als Völkermord einstufen? Monika Lüke, Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, ist skeptisch. Doch jenseits aller Definitionsfragen gehe es bei den Prozessen darum, die Taten aufzuarbeiten, den Opfern Genugtuung widerfahren zu lassen und eine traumatisierte Gesellschaft zu befrieden.

Verordnete Versöhnung

Warum die Gacaca-Justiz in Ruanda gescheitert ist
Beitrag von Gerd Hankel

Nicht Schuldzuweisung, Aussöhnung war das Ziel der traditionellen Gacaca-Gerichte, auf die man in Ruanda zurückgriff, um den sozialen Frieden nach den Schrecken des Völkermords wiederherzustellen. Doch die Bilanz ist ernüchternd und macht eines deutlich: Ohne ein Mindestmaß an konsensfähiger Wahrheit ist keine tragfähige Versöhnung möglich.

Der Traum von der Regenbogennation

Die Auseinandersetzung mit dem Erbe des Apartheidregimes in Südafrika
Beitrag von Hans Brandt

Südafrika gilt als Musterbeispiel für einen ethnischen Konflikt, der ohne Blutvergießen bewältigt wurde. Doch ein Streifzug durch das Land am Kap der guten Hoffnung zeigt: Von Nelson Mandelas Vision einer Gesellschaft, „in der alle Südafrikaner, schwarze wie weiße, mit erhobenem Haupt leben können“, ist man noch weit entfernt.

Magazin
Geo-Engineering

Die letzte Versuchung

Geo-Engineering als Ausweg aus der Klimapolitik?
Beitrag von Konrad Ott

Wo Tausende Delegierte an Verhandlungen beteiligt sind, wie in Kopenhagen, fällt ein Abkommen schwer. Grund genug, heißt es jetzt vor allem in den USA, das drängende Problem des Klimawandels allein mit Hilfe planvoll eingesetzter Technologie zu lösen. Geo-Engineering wird gesellschaftsfähig – aber welche Methoden wären auch ethisch zulässig?

Schöner leben im Labor?

Geo-Engineering und das Recht, die Welt zu verändern
Beitrag von Andreas Kraemer

Die Debatte über Geo-Engineering ist nicht aufzuhalten. Starke Interessen drängen auf Forschung und experimentelle Anwendung. Geo-Engineering ist bestenfalls ein Spiel auf Zeit, immer aber auch eine gefährliche Ablenkung von Emissionsminderung und Anpassung an den Klimawandel. Richtig geführt kann die Debatte dazu beitragen, zentrale Fragen der Gestaltung internationaler Institutionen zu klären.

Sicherheitspolitik

Die selbstgefesselte Republik

Beitrag von Constanze Stelzenmüller

Deutsche Sicherheitspolitik, 20 Jahre nach dem Mauerfall: zurückgeblieben hinter Nötigem und Möglichem. Eine Polemik in fünf Thesen und Empfehlungen.

Obamas Raketenabwehr

Warum Europa aufrüsten sollte
Beitrag von Stephan Frühling und Svenja Sinjen

Auch wenn der US-Präsident im September 2009 das „Aus“ für den geplanten Raketenabwehrschild in Osteuropa erklärt hat, ist das Thema nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Obamas neue Pläne zwingen die Europäer erneut, sich zu entscheiden, welche Beiträge sie zur Verteidigung ihres Kontinents leisten wollen.

„Die EU? Eine Kopie der Sowjetunion“

Interview mit dem russischen NATO-Botschafter Dmitri Rogozin

Mühsam erholen sich die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen von den Nachwehen des Georgien-Streits und der Debatte über die US-Raketenabwehr in Mittelosteuropa. Wie geht es jetzt weiter? Ein Gespräch über falsche Feindbilder und echte Bedrohungen und darüber, was die NATO mit einer sowjetischen Buchhandlung gemeinsam hat.

Energiepolitik

Kooperation mit mehr Energie

Plädoyer für eine neue europäisch-russische Rohstoff-Partnerschaft
Beitrag von Edmund Stoiber

Auf der einen Seite Russland als Energiequelle der Welt, auf der anderen die auf Rohstoffimporte angewiesenen EU-Staaten: Wie kommen sie künftig besser zusammen? Durch neue Formen der Kooperation, für die es im deutsch-russischen Verhältnis schon gute Beispiele gibt. Russland sendet positive Signale aus: Europa sollte die Chance ergreifen.

Gegen den Strich

...Entwicklungspolitik

Beitrag von Wolfgang H. Reinicke

Der Zeitpunkt ist günstig, die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zu reformieren und als Teil einer kohärenten Politik zu konzipieren, denn in der neuen Bundesregierung sind die Ministerien für Äußeres, Wirtschaft und Entwicklung in der Hand einer Partei, der FDP. Entwicklungsminister Dirk Niebel, der im Wahlkampf noch lautstark die Abschaffung des BMZ gefordert hatte, sollte das BMZ stärken, indem er ihm ein klares politisches Profil gibt.

Europa

Historische Staffelübergabe in Europa

Spanien übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft von Schweden
Beitrag von Ulrike Guérot

Schweden hat es besonders zu spüren bekommen: Das alte System des nationalen EU-Vorsitzes hat sich in weiten Teilen überholt, immer mehr bestimmen aktuelle Themen die Tagesordnung. Was bedeutet dies für den spanischen Ratsvorsitz? Für Madrid wird es mit dem Lissabon-Vertrag schwer werden, eigene Akzente zu setzen.

Wachsweich auf der Weltbühne

Leichtgewicht im Schlingerkurs: David Camerons internationaler Fehlstart
Beitrag von Henning Hoff

Wenn die Demoskopen nicht irren, wird David Cameron, Parteiführer der britischen Konservativen, spätestens kommenden Juni neuer Premierminister von Großbritannien. Auf außenpolitischem Parkett hat der Oppositionsführer bislang allerdings eher Rutschpartien hingelegt.

Ostasien

Vorsichtige Annäherung

Taiwans Präsident Ma Ying-Jeou zu den Beziehungen mit Festland-China

Gespräche unterhalb der Regierungsebene haben eine deutliche Entspannung gebracht. Im Interview mit Gottfried-Karl Kindermann erklärt Staatspräsident Ma, warum die Zeit für einen Friedensvertrag noch nicht reif ist: Festland-China müsse erst seine gegen Taiwan gerichteten Raketen abbauen und die politische Realitäten akzeptieren.

Brief aus … Bogotá

Das unendliche Duell der Caudillos

Chavez’ Kriegsvorbereitungen nehmen die Kolumbianer gelassen
Beitrag von Gerhard Dilger
Internationale Presse

Alles außer Europa

Was beschäftigt die Spanier vor der Ratspräsidentschaft?
Beitrag von Armando Garcia Schmidt
Schlusspunkt

Theater der Zeitenwende

Der Kundus-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags
Beitrag von Jan Techau
Service

Buchkritik

Dokumentation

IP-Forsa-Umfrage

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