Januar 2009
Einsatz Europa
Die Stimmung glich einem Volksfest. Hunderttausende hatten sich im Juli 2008 in Berlin versammelt, um die Rede von Barack Obama zu hören. Noch war nicht ausgemacht, ob der Senator des Bundesstaats Illinois tatsächlich zum 44. Präsidenten der USA gewählt würde. Doch selten wirkte ein Präsidentschaftskandidat so inspirierend – im eigenen Land und in der Weltöffentlichkeit. Im allgemeinen Enthusiasmus fiel gar nicht auf, dass Obama klare Forderungen stellte. Zu groß war die Erleichterung, dass die Ära des George W. Bush zu Ende ging.
Zaungast Europa: die Krise als Chance 
Beitrag von Eberhard Sandschneider
Die gegenseitige Einschätzung in der transatlantischen Partnerschaft könnte gegensätzlicher nicht sein: Europa meint, in Barack Obama einen amerikanischen Europäer zu erblicken, für Amerika aber liegen die strategischen Partner in anderen Teilen der Welt. Will Europa wieder ernster genommen werden, muss es anfangen, initiativ zu handeln.
Vergesst Oslo! 
Beitrag von John Hulsman
Schluss mit den offen diskutierten Friedensplänen. Geheime Verhandlungen, ein Gesamtpaket zur Umsetzung aller strittigen Fragen und sofortige Belohnung für konstruktive Mitarbeit sind Erfolg versprechender. Dass die USA mehr Verständnis für Israel zeigen und die Europäer größere Sympathien für die Palästinenser, ist dabei ganz und gar kein Nachteil.
Den Vorteil nutzen 
Beitrag von Zoé Nautré
Europa genießt im Nahen und Mittleren Osten ein höheres Ansehen und größeres Vertrauen als die USA, die in der Vergangenheit viele Fehler begangen haben. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dieses europäische Potenzial zur Entwicklung einer gemeinsamen Strategie zu nutzen, um langfristig Demokratie, Menschenrechte und wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.
Kein Regimewechsel 
Beitrag von Henner Fürtig
Amerika und Europa müssen ihre bisherigen Strategien ändern, um eine tragfähige Basis für die Beziehungen zum Iran zu schaffen. Die neue US-Administration sollte vom Ziel des Regimewechsels in Teheran abrücken und verstärkt politische und diplomatische Wege nutzen, während die EU ihre Angebote an konkrete und überprüfbare Bedingungen knüpfen sollte.
Wir lösen Guantánamo auf! 
Beitrag von Simon Koschut
Haben wir gegen den Terror einen „Kampf“ mit rechtsstaatlichen oder einen „Krieg“ mit militärischen Mitteln zu führen? Europäer und Amerikaner werden diese Frage weiterhin unterschiedlich beantworten. Doch wenn der neue US-Präsident Barack Obama stärker auf seine europäischen Verbündeten hört, dann müssen diese auch etwas zu sagen haben.
Mehr Einsatz in Afghanistan 
Beitrag von Henning Riecke
Um von den USA eine stärkere Orientierung aufs Zivile verlangen zu können, sollte Deutschland mehr Flexibilität beim Einsatz seiner Soldaten zeigen und eine Entsendung in den Süden Afghanistans nicht länger kategorisch ausschließen. Größere Anstrengungen beim Polizeiaufbau und mehr nichtmilitärisches Engagement in Pakistan sind weitere Optionen.
Kein Europa ohne Russland 
Beitrag von Alexander Rahr
Die EU muss endlich eine einheitliche politische Linie gegenüber dem immer selbstbewusster auftretenden Russland finden. Neben der Ausarbeitung eines neuen Partnerschafts- und Kooperationsabkommens sollte die EU mit Russland bei der Reform internationaler Organisation kooperieren und gemeinsame Räume wie Freihandelszonen ausbauen.
Volle Kraft voraus 
Beitrag von Josef Braml
Die Bundesrepublik sollte in der Energiepolitik eine europäische und globale Führungsrolle spielen. Für ein energieabhängiges und exportorientiertes Land ist es unumgänglich, außenpolitische Initiativen zu ergreifen, um jenseits des Horizonts nationalstaatlicher Lösungen – etwa über die EU – einen neuen globalen ordnungspolitischen Rahmen zu gestalten.
Von Europas Fehlern lernen 
Beitrag von Andreas Kraemer
Nach der Ölkrise haben die Europäer ihre Lektion gelernt und auf größere Energieeffizienz gesetzt. In den Vereinigten Staaten findet ein Umdenken nur langsam statt. Da ihre Innovationsfähigkeit größer ist, könnten sie mit den Europäern doch noch zum Vorbild werden. Ein wichtiges gemeinsames Projekt wäre die Zusammenarbeit in der Arktis.
Eile mit Weile 
Beitrag von Katharina Gnath
Von der neuen US-Administration ist zunächst keine internationale Führungsrolle in der Finanz- oder Handelspolitik zu erwarten. Europa sollte jenseits schneller Abschlüsse alle Möglichkeiten für langfristige multilaterale Ansätze ausloten und Überzeugungsarbeit gegenüber den USA leisten, um die weltwirtschaftlichen Herausforderungen anzugehen.
Das Ende der Tyrannei 
Beitrag von John Lewis Gaddis
Das amerikanische Zeitalter ist vorüber. Unerquickliche acht Jahre der Regierung Bush, eine mit Gewalt vorangetriebene Demokratisierung und schließlich die Finanzkrise ließen die einstige Strahlkraft der USA zum schalen Schein verblassen. Im Jahr 2025, so der Bericht des „National Intelligence Council“, werden andere Mächte das einstige Vorbild ersetzt haben. Oder täuschen wir uns? Gibt es eine Bush-Doktrin, mit deren Hilfe der unbeliebte Expräsident eine außenpolitische Korrektur vorgenommen hat, die noch weit in das 21. Jahrhundert hinein wirken könnte? Ja, sagt John Lewis Gaddis. Es geht um ein revolutionäres Ideal, das in einer uramerikanischen Tradition wurzelt: die Welt von Tyrannen zu befreien – ohne vorzuschreiben, was die Menschen mit ihrer Freiheit anfangen möchten.
Brücken in die Freiheit bauen 
Beitrag von Volker Kauder
Eine auf dem christlichen Menschenbild basierende Außenpolitik strebt eine Weltordnung an, in der die Menschenrechte vollständig respektiert werden. Zur Durchsetzung dieses Zieles steht ein Bündel von Maßnahmen zur Verfügung, die, richtig eingesetzt, nachhaltigen Erfolg versprechen. Dies als Schaufensterpolitik zu diffamieren, ist nicht angebracht.
Zögern ist kein Masterplan 
Beitrag von Richard Herzinger
Eine Verwicklung in die Krisenschauplätze der Welt will man sich in Deutschland nicht leisten. Man sei, heißt es, an den Grenzen der Leistungsfähigkeit angekommen. Dabei gibt es ein Prinzip der „Schutzverantwortung“. Wollen wir Menschenrechtsverletzungen nicht tatenlos hinnehmen, sollten wir über eine „Liga der Demokratien“ nachdenken.
Kampf der Giganten 
Beitrag von Marco Bünte
Was wird aus der thailändischen Demokratie? Die staatlichen Institutionen sind instabil, die Politiker korrupt, die Gesellschaft ist gespalten. Nur ein Kompromiss zwischen den Eliten könnte diese Probleme bewältigen. Sonst bleibt der Großteil der Bevölkerung weiter vom politischen System ausgeschlossen – schlimmstenfalls droht ein Bürgerkrieg.
Gemeinsamer Feind 
Beitrag von Christian Wagner
Der Anschlag von Mumbai im Herbst 2008 markiert eine neue Dimension des Terrors in Indien. Seine Ziele, innerindische Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen zu provozieren und den indisch-pakistanischen Friedensprozess zu unterminieren, sind bisher nicht aufgegangen. Stattdessen bietet sich nun die Chance, das Verhältnis nachhaltig zu verbessern.
Napoleons Nachfolger 
Beitrag von Ulrike Guérot
Lissabon, Georgien, Finanzen: Gleich drei Krisen boten Nicolas Sarkozy die Gelegenheit, einen imperialen EU-Führungsstil zu entwickeln. Kein leichtes Erbe für Tschechien. Zumal es an Problemen weiter nicht fehlen wird – und der deutsch-französische Motor ins Stottern geraten ist.
Das Energie-Internet 
Beitrag von Thomas L. Friedman
Wie halten wir unseren Lebensstandard und schonen zugleich die Umwelt? Wie bleiben wir mobil, ohne weiter die Innenstädte zu verstopfen? Wer reguliert die Stromversorgung? Wir brauchen eine grüne Revolution, die eine neue Ära einläutet: das Zeitalter der Energie und des Klimas. Dann könnte das Jahr 2028 aussehen wie folgt …
Kompromiss schlägt Krawall 
Beitrag von Basil Kerski
Polens Medien erklären den neokonservativen Kulturkampf für beendet
Wo bitte, finde ich die „arabische Straße“? 
Beitrag von Mona Eltahawy
Ganz bestimmt nicht in Syrien oder Katar. Eher schon im Internet
Kein Kuschelclub 
Beitrag von Jan Techau
Das viel beschworene soziale Europa ist reine Fiktion
Buchkritik 
Dokumentation 
- Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament und den Rat zur EU Arktis Strategie
- Executive Summary of the US National Intelligence Council’s Global Trends Report 2025
- Communiqué of the 11th Africa-EU Ministerial Troika meeting
- 16th APEC economic leaders’ meeting „A new commitment to Asia-Pacific development“
- Second Euro-African Ministerial Conference on Migration and Development
- Statement by Russian president Dmitry Medvedev after Russian-Venezuelan talks
- Doha Declaration on Financing for Development
- UN Conference on Financing for Development
- UN Aids Outlook 2009
- Resolution 1846 des UN Sicherheitsrats zur Piraterie in Somalia
- Executive Summary on „The world at risk“ by the Commission on the Prevention on Weapons of Mass destruction, Proliferation and Terrorism
- Meeting of the North Atlantic Council at the level of Foreign Ministers held at the NATO Headquarters
- Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Festakt 60 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
- Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor der Schwarzkopf-Stiftung "Historische Reden an Europa"
- Menschenrechtserklärung „Charta 08“ chinesischer Dissidenten anlässlich des 60. Jahrestags der Erklärung der Menschenrechte
- Fourteenth session of the Conference of the Parties (COP 14) to the Kyoto Protocol
- Schlussfolgerungen des Europäischen Rats
- Resolution 1851 des UN Sicherheitsrates zur Piraterie in Somalia





