Februar 2009

Vergesst Kyoto!

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Knapp elf Tage verhandelten zehntausend Delegierte aus 158 Staaten im japanischen Kyoto über Treibhausgase, Emissionszertifikate und Reduktionsverpflichtungen. Nach einem 30 Stunden-Marathon ohne Schlaf oder längere Pause einigten sich die Repräsentanten der wichtigsten Länder im Dezember 1997 auf ein Rahmenprotokoll zur Begrenzung von Treibhausgasen.

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Titelthema

Investieren – nicht regulieren

Beitrag von Michael Shellenberger und Ted Nordhaus

Die Welt atmet auf: Unter Präsident Barack Obama werden die USA sicher eine Führungsrolle im Umweltschutz übernehmen – nur nicht im Rahmen des Kyoto-Protokolls. Denn eine Umweltpolitik, die Wirtschaftswachstum und Klimaschutz nicht vereinbaren kann, bleibt für die USA und die meisten Schwellenländer inakzeptabel.

Professor Chu geht nach Washington

Beitrag von Wolfram Eilenberger

Im neuen US-Kabinett wirkt der Physiker Steven Chu als strahlende Leitfigur einer erhofften Vermählung von empirischer Wissenschaft und staatlicher Steuerung. Seine Berufung zeigt schon jetzt: Die amerikanische Klima- und Energiepolitik stehen unter dem Zeichen massiver Förderung neuer Umwelttechnologien.

Unser Land soll sauberer werden

Beitrag von Andreas Oberheitmann und Eva Sternfeld

China hat den Klimawandel als wichtiges politisches Thema erkannt und ergreift Maßnahmen zur Förderung sauberer und erneuerbarer Energien sowie zur Steigerung der Energieeffizienz. Will man den größten CO2-Emittenten in ein Post-Kyoto-Regime einbinden, sollten seine Forderungen nach „Klimagerechtigkeit“ ernst genommen werden.

Der Bremser wird Vorreiter

Beitrag von Thomas Fatheuer

Klimaschutz ja, Verpflichtungen nein: Darauf reduzierte sich bisher die Position der Entwicklungsländer, angeführt von Brasilien. Nun prescht der weltweit fünftgrößte CO2-Emittent mit einem nationalen Klimaplan vor. Mit dem Einhalt illegaler Rodungen setzt die Regierung auf freiwillige Reduktionen – und baut auf die Hilfe des Nordens.

Europa zeigt in der Arktis-Politik Flagge

Beitrag von Gerd Braune

Bereits heute ist Arktis-Politik ein enges Geflecht von rechtlichen und politischen Übereinkommen mit verschiedenen nationalen und supranationalen Akteuren. Auf dieser Bühne will nun auch die EU stärker in Erscheinung treten und nennt ihre Ziele: Schutz und Erhalt der Arktis, Förderung nachhaltiger Ressourcennutzung und eine bessere multilaterale Governance der Region.

Internationale Politik
Nahost I

Islamisten küsst man nicht

Beitrag von Yossi Alpher

In Gaza schweigen die Waffen, doch Frieden ist nicht in Sicht. Auch wenn der Feldzug gegen die Hamas unvermeidlich war: Eine Lösung des Konflikts gibt es erst, wenn Israel einige politische Positionen revidiert, die Grenzen nach Gaza öffnet, seinen Einwohnern eine ökonomische Perspektive bietet und Gespräche mit der Hamas nicht länger verneint.

Nahost II

Das Dilemma der Ägypter

Beitrag von Abdel-Monem Said

Keine Frage: Ägypten fühlt sich der palästinensischen Sache verbunden. Der Krieg in Gaza und das Leiden der Zivilbevölkerung erregte auch in Kairo die Gemüter. Aber eine engere Bindung des Gaza-Streifens an Ägypten kommt nicht in Frage. Zu sehr fürchtet Kairo, dass die Islamisten der Hamas auch im Nachbarland ihr Unwesen treiben könnten.

Nahost III

Der Krieg in Gaza

Beitrag von Clemens Wergin

Kein Konflikt beschäftigt Politiker schon so lange, keiner lässt die Emotionen in der Öffentlichkeit so hochkochen, wie die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern. An mehr oder minder guten Ratschlägen fehlt es selten. An dezidierten Meinungen ebenso wenig. Doch sind sie auch begründet?

Nahost IV

Syrien zuerst

Beitrag von Muriel Asseburg und Volker Perthes

Eine europäisch-amerikanische Initiative zur Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts müsste eine neue Machtteilung zwischen Hamas und Fatah, die Umsetzung der Gaza-Vereinbarung von 2005 sowie eine zeitnahe Friedensperspektive für die ganze Region beinhalten. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Einbindung Syriens.

Weltordnung I

Ein flexibles Netzwerk

Beitrag von Robert B. Zoellick

Wie sollen wir die G-7 reformieren und neue internationale Strukturen schaffen, die effizient auf die größten Herausforderungen – Finanzmärkte, Welthandel, Energie und Klimawandel, Entwicklung – reagieren können? Der Präsident der Weltbank schlägt unter anderem eine Lenkungsgruppe vor, der die Finanzminister der wichtigen Staaten angehören.

Weltordnung II

Reif für die Rente?

Beitrag von Jussi M. Hanhimäki

Der Nahost-Konflikt, Hungersnöte und Armut geben den Kritikern Recht, die behaupten, die Vereinten Nationen seien unfähig, auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts zu reagieren. Doch noch haben die UN nicht ausgedient. Um besser zu funktionieren, sind Reformen in drei Bereichen notwendig: UN-Einsätze, Entwicklungshilfe und Menschenrechte.

Lateinamerika

Todsichere Geschäfte

Beitrag von Anne Vigna

Die Vereinigten Staaten stellen fünf Prozent der Weltbevölkerung, konsumieren aber mehr als die Hälfte der weltweit produzierten Drogen. 80 Prozent dieser Drogen werden durch Mexiko transportiert. Dass die Drogengelder gewaschen werden, dafür sorgt die US-Waffenindustrie als Hauptlieferantin der mexikanischen Drogenbosse gleich selbst. Ein Teufelskreis.

Energiepolitik

Hört auf Peter Lustig!

Beitrag von Florian Holzhauer

Eine intelligente Box regelt den Verbrauch elektrischer Geräte. Computernutzer speichern ihre Daten nicht mehr auf Festplatte, sondern in einer „Datenwolke“ – zwei Aspekte des Energie-Internets, durch das Thomas L. Friedman auf ökologische Weise unseren Lebensstandard erhalten will. Wie wünschenswert ist seine Vision? Eine kritische Replik.

EU

Musterschüler mit Makeln

Beitrag von Gregor Walter-Drop und Thomas Risse

20 Jahre nach der Wende von 1989 ist es Zeit für eine Bilanz. Sind die Erwartungen der „Ära der Hoffnung“ erfüllt worden? Nicht ganz. Drei Stichworte zeigen, wo Europa der Schuh drückt: bei der nach wie vor bestehenden Spaltung des Kontinents, der gemeinsamen Außenpolitik und der mangelnden Legitimation der europäischen Einigung.

Kolumnen
Brief

Brief aus … Mumbai

Beitrag von Swantje Strieder

Vom Meer aus sieht die Szenerie fast heiter aus, wie beim Camping. Im Palmenhain vor der sandfarbenen Hotelmauer des JW Marriott hängen Soldaten khakifarbene Leibchen und Unterhosen auf die Wäscheleinen. 50 Meter weiter am Strand sitzen weitere Militärs locker plaudernd unter den blauen Sonnenschirmen, die sonst am Schwimmbad des Mumbaier Fünfsternehotels den Gästen die Sonne vom Bauch fernhalten. Aber die Lockerkeit täuscht, es gibt nur noch wenige Gäste im Hotel, und hier draußen herrscht hohe Sicherheitsstufe.

USA: die Smart-Power-Präsidentschaft

Beitrag von Patrick Keller

Barack Obama mag seinen Amtseid verstolpert haben, aber seine Präsidentschaft beginnt er mit sicherem Tritt. Dies liegt vor allem daran, dass er die Transition – die Phase der Übergabe der Amtsgeschäfte zwischen dem Wahltag und der Inauguration – mit der gleichen Sorgfalt und Disziplin geleitet hat wie zuvor schon seine schier unendlich lange Wahlkampagne. Die Schlüsselpositionen der Wirtschafts- und Außenpolitik sind besetzt, und abgesehen vom Rückzug des designierten Handelsministers Bill Richardson gab es keine schwerwiegenden Pannen.

Schlusspunkt

Barack Obama, der Neocon

Beitrag von Alan Posener

Vor mir liegt ein Heft, das zwei Vorträge zum Neokonservatismus enthält. Der erste, von Seymour Martin Lipset, schließt mit dem Satz: „In any case, the concept of neoconservatism is irrelevant to further developments within American politics.“ Der zweite, von Peter Steinfels, trägt den Titel „The Short Happy Life of Neoconservatism“. Beide wurden im Juni 1988 in Berlin gehalten. Etwas mehr als 20 Jahre später mögen manche meinen, mit dem Abgang George W. Bushs sei die – etwas voreilige – Prognose von damals in Erfüllung gegangen. Sie irren. Barack Hussein Obama ist der erste neokonservative Präsident der USA.

Service

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