November/Dezember 2009
Earth, Wind & Fire
Die Zukunft berechnete der anglikanische Pfarrer und Nationalökonom mit zwei einfachen Formeln. Die Bevölkerung, schrieb Thomas Malthus in seinem Hauptwerk „Essay on the Principle of Population“, wachse in geometrischer Reihe (2, 4, 8, 16 …). Die Nahrungsproduktion steige aber nur arithmetisch (1, 2, 3, 4 …). Ergo werde es zu erheblichen sozialen Problemen kommen. Anders als in den Theorien seiner Kollegen David Ricardo und Adam Smith spielten der Markt und die Fähigkeit des Menschen zu rationalem Verhalten bei Malthus keine wesentliche Rolle.
Kooperation oder Eskalation? 
Dass natürliche Ressourcen knapper werden, ist unbestritten. Dass dies unweigerlich zu Konflikten führen muss, ist hingegen nicht zu belegen. Denn in vielen Auseinandersetzungen geht es gar nicht um Ressourcen. Oftmals dienen diese lediglich als Mittel zur Finanzierung von Gewalt.
Pragmatismus statt Panikmache 
Sind Biokraftstoffe Hoffnungsträger oder verantwortlich für steigende Nahrungsmittelpreise? Droht uns die Abhängigkeit von Russland, sollte das Nabucco-Projekt scheitern? Kaum eine Debatte ist so alarmistisch aufgeladen wie die über Ressourcenpolitik. Das jedoch verhindert ein nüchternes und funktionierendes Risikomanagement.
Quell des Friedens 
Knapp ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen ausreichenden Wasserzugang. Doch Wasserknappheit ist kein unabwendbares Schicksal. Mit einem nachhaltigen Ressourcenmanagement und internationaler Kooperation ließen sich nicht nur die Gesamtvorkommen erhöhen, sondern auch innerstaatliche Wasserkonflikte entschärfen.
Wem gehört der Meeresboden? 
Auf dem Meeresboden lagern Millionen Tonnen wertvoller Rohstoffe. Zahlreiche Staaten beantragen daher bei den Vereinten Nationen eine Erweiterung ihres Festlandsockels. Doch trotz offensichtlicher Vorteile sind die USA der UN-Seerechtskonvention bisher als einziger Küstenstaat nicht beigetreten.
Aufstand der Ausgehungerten 
Schon heute sind in vielen Entwicklungsländern Ausschreitungen infolge explodierender Nahrungsmittelpreise zu beobachten. Für die Zukunft ist verstärkt damit zu rechnen, dass die Preise kurzfristig und unvermittelt Rekordhöhen erreichen. Steigt damit das Sicherheitsrisiko? Und wie lässt sich die Gewalteskalation im Vorfeld abfangen?
Oldies not Goldies 
Öl und Erdgas sind die wichtigsten Energieträger der Industriestaaten. Aber längst schon sind es nicht mehr die westlichen Akteure, die die Spielregeln auf den Öl-und Erdgasmärkten bestimmen. Neue Spielregeln sind nötig, die zwei Aufgaben erfüllen können: das Energie- und das Klimaproblem gemeinsam zu lösen.
Immer knapper, immer teurer? 
In vielen Wirtschaftssektoren sind Metalle unentbehrlich. Deutschland muss einen Großteil dieser Rohstoffe importieren, trifft am Weltmarkt aber auf monopolartige Strukturen und Exportbeschränkungen, die zu erhöhten Preisen führen. Vor allem China steht dabei im Kreuzfeuer der Kritik.
Die Zweiteilung der Welt überwinden 
Das Bevölkerungswachstum verschärft Ressourcenknappheiten vor allem in den Entwicklungsländern. Bessere Familien-planung ist ein Weg, diesen Druck zu verringern, ein anderer ist Migration. In beiden Fällen müssen die armen Staaten mehr internationale Unterstützung erhalten.
„Wir sind noch auf der Suche“ 
Nach „20 Jahren Freiheit“(1) ist es Zeit, Bilanz zu ziehen: Ist die Transformation in Osteuropa gelungen? Welche Bedeutung hatte die Bürgerbewegung bei der Beseitigung der Diktaturen in der DDR und in der damaligen Tschechoslowakei? Und wie ist es um die Zukunft der EU bestellt? Václav Havel und Richard von Weizsäcker blicken zurück – und nach vorne.
Erinnern für die Zukunft 
Trotz veränderter Weltlage fühlt sich Europa weiterhin verantwortlich für die Lösung globaler Fragen. Doch wie will es Einfluss ausüben? Die Antwort lautet: durch produktive Macht. Auch nach 1989 kann Europa seinen Beitrag leisten, wenn es vier Voraussetzungen beachtet. Vor allem muss Europa seinen Worten auch Taten und Mittel folgen lassen. (1)
Von alten und neuen Grenzen 
Das Ende des Kalten Krieges hat nicht nur in Deutschland und Europa zu Umbrüchen geführt, sondern auch auf internationaler Ebene Grenzen verschoben. Neue Akteure, vor allem in Asien, haben an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung gewonnen und ihren Aktionsradius ausgeweitet. Der euro-atlantische Raum verliert an Bedeutung.
Investieren und vernetzen 
Im Vorfeld der Kopenhagener Klimakonferenz lud die Atlantische Initiative Berlin im Rahmen einer Task Force für die Umwelt amerikanische, deutsche und britische Experten ein, Empfehlungen zur Rettung des Klimas zu erarbeiten.
Betriebsanleitung für den „Reset“ 
Mit dem Baustopp für das US-Raketenschild in Osteuropa trat US-Präsident Barack Obama den Beweis an, in den Beziehungen mit Russland wirklich einen Neustart wagen zu wollen. Jetzt haben beide Staaten die Chance, ihre Beziehungen zu verbessern oder am alten konfrontativen Denken festzuhalten. Wie? Mit den folgenden Regeln.
Abrüstung und Global Zero 
Beitrag von Oliver Thränert
Die UN-Resolution 1887 und Obamas Prager Rede über die globale Null (die komplette und weltweite Abrüstung aller Kernwaffen), die im Mai 2010 anstehende Überprüfungskonferenz zum Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag, die amerikanisch-russischen Verhandlungen über strate-gische Atomabrüstung, der Streit um das iranische Atomprogramm sowie Obamas Verzicht auf Raketenabwehr in Polen und Tschechien – eigentlich spannende Zeiten für atomare Abrüstung und Rüstungskontrolle. Doch die Debatten werden immer wieder von den gleichen Stereotypen dominiert.
Gesunde Heuchelei 
Was erhofft sich Deutschlands Nachbar Polen von der neuen deutschen Regierung? Auf dem Wunschzettel von der Weichsel steht ein energisches Engagement für eine gemeinsame europäische Strategie in Sachen Energie-, Verteidigungs- und Ostpolitik. Und nicht zuletzt die Heranführung einer neuen Politikergeneration an eine schwierige Nachbarschaft.
Allianz für die Ewigkeit 
Was kann die deutsche Bundeskanzlerin unternehmen, um sich bleibenden Verdienst in den internationalen Beziehungen zu erwerben? Ein Rat aus Moskau: Deutschland sollte sich maßgeblich dafür einsetzen, ein strategisches Bündnis zwischen Russland und der EU zustande zu bringen. Das könnte die Lösung der strukturellen Sicherheitsprobleme Europas sein.
Ende der Nabelschau 
Mehr als andere Staaten hat sich Deutschland dafür eingesetzt, den aufsteigenden Schwellenländern einen Platz auf der Weltbühne zu verschaffen, der ihrer Bedeutung Rechnung trägt. Die Anerkennung, die Berlin deshalb in Ostasien genießt, sollte es nutzen: In den Proliferationsverhandlungen, bei der Reform der UN und sogar im Nahen Osten.
Keine Lizenz zum Kämpfen 
Seit Dezember 2001 ist Deutschland mit der Bundeswehr in Afghanistan präsent. Nach fast acht Jahren Einsatz am Hindukusch hat sich die Lage zuletzt dramatisch verschlechtert; inzwischen sind die Taliban auch im Norden des Landes auf dem Vormarsch. Was ist schief gelaufen? Und was muss die neue Bundesregierung dringend verändern?
Show ohne Publikum 
Von Briefeschreibern und Raketenzählern 
Das universelle Problemlösungsfüllhorn 
Buchkritik 
Dokumentation 
- Open Letter to the Obama Administration from Central and Eastern Europe, published in Warsaw, 15 July 2009
- Remarks by President Obama on Strengthening Missile Defense in Europe, Washington D.C., 17 September 2009
- NATO Secretary General Anders Fogh Rasmussen's Speech on NATO-Russia Relations. Brussels, 18 September 2009
- Secretary of State Hillary Clinton's Speech at Moscow State University, 14 October 2009
- G20 Leaders' Statement at the Pittsburgh Summit, 24-25 September 2009
- WTO Director General Pascal Lamy's Speech at the WTO Public Forum, Geneva, 28 September 2009
- Remarks of World Bank President Robert Zoellick at the Annual World Bank and IMF Meeting, Istanbul, 6 October 2009
- Interview mit Iran's IAEO Botschafter Ali Asghar Soltanieh, erschienen in "Der Standard", Wien, 14. September 2009
- Iranian President Mahmud Ahmadinejad's Speech at the UN General Assembly, New York, 23 September 2009
- Joint Statement of U.S. President Barack Obama, French President Nicolas Sarkozy and British Prime Minister Gordon Brown on Iran's Disclosed Nuclear Facility Near Qom, Pittsburgh, 25 September 2009
- Joint Press Conference of IAEA Director Mohamed El Baradei and Iran's Atomic Energy Organisation, Tehran, 4 October 2009
- Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den Geschehnissen in Afghanistan, Berlin, 8. September 2009
- Statement of Irish Prime Minister Brian Cowen on the Successful Lisbon Treaty Referendum, Dublin, 3 October 2009
- Bericht der EU Kommission über die Erweiterungsstrategie und die wichtigsten Herausforderungen 2009-2010, Brüssel, 14 Oktober 2009
- Joint Press Conference of Russian President Dmitri Medvedev and the President of Venezuela Hugo Chavez, Moscow, 11 September 2009
- UNCTAD Report on Trade and Development, Published in New York and Geneva, 7 September 2009
- UN Sicherheitsrats Resolution 1888 zum verbesserten Schutz von Mädchen und Frauen in bewaffneten Konflikten, New York, 30. September 2009
- UN Sicherheitsrats Resolution 1889 über die verbesserte Mitwirkung von Mädchen und Frauen in der Lösungsfindung in Konfliktgebieten, New York, 5. Oktober 2009





