April 2009

Bildungslücken

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Der Ökonom Amartya Sen und die Rechtsphilosophin Martha Nussbaum sprechen von einem „approach of capabilities“: Bildung schafft Wohlstand, aber der Wohlstand einer Gesellschaft bemisst sich nicht nur am Einkommen. Wichtig ist, ob und wie weit eine Gesellschaftsordnung den Fähigkeiten von Menschen gerecht wird. Bereits vor 200 Jahren hatte Wilhelm von Humboldt, der große Reformer des preußischen Schulsystems, erkannt, dass es bei der Erziehung des Menschen eben nicht nur auf den Erwerb von Zertifikaten ankommt. „Bildung“, schrieb er, „ist die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen.“ Bildung ist, was den Mensch zum Menschen erhebt. Sie vermittelt ihm die Fähigkeit, sich ein Bild der Welt zu machen und es in einem lebenslangen Prozess immer wieder kritisch zu reflektieren und neuen Wirklichkeiten anzupassen.

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Titelthema

Die Bildung des Menschen ist unantastbar

Beitrag von Rita Nikolai

Bildungssysteme vermitteln Qualifikationen. Aber Bildung ist weit mehr als der Erwerb von Zertifikaten: Sie ist ein Vehikel für soziale Integration und soll alle Menschen in die Lage versetzen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Bilanz der sechs Weltbildungsziele von Dakar allerdings zeigt, dass wir davon noch weit entfernt sind.

Damit wir wissen, was wir tun

Beitrag von Nico Stehr

Autos kaufen keine Autos: So lautet das legendäre Diktum Henry Fords, der dafür plädierte, seinen Arbeitern höhere Löhne zu zahlen. Übertragen auf die heutige Wissensgesellschaft lautet die Losung: Jobs schaffen keine Jobs. Denn es ist die Qualität des Arbeitsangebots und nicht die Nachfrage des Marktes, die über die Zukunft der Arbeitswelt bestimmt.

Wo sind die deutschen „Welterklärer“?

Beitrag von David Bosold

Vom Braindrain zum Braingain: Was können wir tun, damit nicht immer mehr deutsche Studenten und Wissenschaftler dauerhaft ins Ausland abwandern? Der Wissenschaftsstandort Deutschland muss attraktiver gemacht werden: durch bessere Studieninhalte und Betreuung sowie mehr Investitionen in bessere Arbeitsbedingungen, auch für Ausländer.

Klasse auf Kosten der Masse?

Die Bildungsdebatte ist in vollem Gange, an Expertenmeinungen, guten Ratschlägen und Kritik mangelt es nicht. Im IP-Gespräch diskutieren sechs Verteter der jungen Generation aus Europa und den USA über Lebensläufe und Leistungsdruck. Ein Perspektivwechsel.

Keine Frage des Geldes

Beitrag von Michael Bauer

Die Defizite der Golf-Staaten im Bildungsbereich sind seit Jahren erkannt. Mit enormem finanziellen Aufwand wurden Reformen im Hochschulsektor initiiert. Es sind aber noch weitere große Anstrengungen erforderlich, um die Qualität des allgemeinen Bildungssystems zu verbessern und Arbeitsplätze außerhalb des Staatssektors attraktiver zu machen.

Es ist die Kultur, Dummkopf!

Beitrag von Lawrence Harrison

Kulturelle Werte, Einstellungen und Überzeugungen liegen nicht in unseren Genen. Sie werden in Elternhaus, Schule und Kirche erlernt und durch Medien und politische Visionäre vermittelt. Nur über die Erhöhung ihres kulturellen Kapitals können Gesellschaften gedeihen – und so den globalen Fortschritt vorantreiben.

Magazin
Sicherheitspolitik

Ein rüstiger Rentner

Beitrag von Daniel Hamilton, Dmitri Trenin, Jamie Shea und Jürgen Trittin

Zum 60. Geburtstag dringend gesucht: eine neue Vision für das transatlantische Bündnis. Vielleicht aber liegt die Zukunft der NATO gar nicht in einer weit ausgreifenden Aufgabe mit langfristiger und globaler Reichweite, sondern in einer viel bescheideneren Rolle. Nur welcher? Darüber diskutierten in der Heinrich Böll Stiftung u.a. Jürgen Trittin, NATO-Stratege Jamie Shea und die Politologen Dan Hamilton und Dmitri Trenin. Internationale Politik stellt die wichtigsten Argumente vor.

Nicht nur Kollateralschäden

Beitrag von Wilfried von Bredow

Die Anzahl der Anschläge wächst, von Stabilisierung keine Spur – Gründe, die Afghanistan-Mission für gescheitert zu erklären, gäbe es genug. Viel klüger aber wäre es, sich die Konsequenzen eines Abzugs vor Augen zu führen: für das westliche Bündnis, die deutsche Innenpolitik, die Bundeswehr und nicht zuletzt die Menschen in Afghanistan.

Türkei

Kurswechsel mit Tücken

Beitrag von Birgül Demirtas-Coskun

Engagement in der arabischen Welt, Vermittlung in regionalen Konflikten und Ambitionen als Regionalmacht – mit Amtsantritt der AKP-Regierung fand ein außenpolitischer Kurswechsel statt. Doch Ankaras Schulterschluss mit der Hamas widerspricht dem türkischen Selbstverständnis als ehrlichem Makler und gefährdet die Westorientierung.

Kriegsverbrechen

Die Hölle vor Gericht

Beitrag von Thomas Gutschker

Als erster Angeklagter muss sich Kaing Guek Eav, Leiter des berüchtigten Gefängnisses Tuol Sleng, vor einem neu geschaffenen Tribunal verantworten. Sein Verfahren ist die Generalprobe für den Prozess gegen vier Pol-Pot-Vertraute, der 2010 beginnen soll. Doch es wird schwierig und schmerzhaft werden, die lange verdrängte Vergangenheit ans Licht zu holen.

Niemand steht über dem Gesetz

Beitrag von Marianne Heuwagen

Gerechtigkeit um jeden Preis? Ja, auch wenn die über vier Millionen Menschen, die vom Konflikt in Darfur betroffen sind, nach der Ausweisung von Hilfsorganisationen noch mehr leiden müssen. Aber langfristig kann der Haftbefehl gegen das amtierende Staatsoberhaupt des Sudan dessen Position schwächen und die Chancen auf Frieden erhöhen.

Südafrika

Kassensturz am Kap

Beitrag von Andreas Freytag

Wenige Wochen vor den Wahlen steht Südafrika vor einer ganzen Reihe politischer Herausforderungen. Gewalt, Korruption, Arbeitslosigkeit, Bildungsmängel, Defizite bei der Integration in die „Rainbow Nation“: Die Liste ist lang. In den Griff bekommen kann die Schwierigkeiten nur, wer die dahinter stehenden ökonomischen Probleme löst.

Debatte

Regulieren um zu investieren

Beitrag von Sascha Müller-Kraenner

„Vergesst Kyoto“ – umfassende Investitionen in neue Energietechnologien führen zu einem besseren Klimaschutz, postulierte die IP im Februar. Ganz im Gegenteil: Nur ein rechtsverbindliches Klimaabkommen bietet den Rahmen für Investitionen. Denn die Lösung des Klimaproblems erfordert weniger technologische als politische Anstrengungen.

Krieg ist und bleibt völkerrechtswidrig

Beitrag von Gerhard Fulda

Lösen Kriege grundsätzlich keine Probleme? War Israels Antwort nicht verhältnismäßig? Hätte Israel Gaza nicht blockieren dürfen? Und hat der Krieg in Gaza wirklich nur die Radikalen in der Region gestärkt? Mit diesen kontroversen Fragen setzte sich Clemens Wergin in der IP vom Februar auseinander. Und erntete Widerspruch.

Der Krieg in Gaza

Beitrag von Clemens Wergin

In der April-Ausgabe der IP übte Gerhard Fulda vehemente Kritik an Clemens Wergin (S. 89 ff.): „Krieg ist und bleibt völkerrechtswidrig.“ Hier nun die Antwort des Autors.

Vision und Illusion

Beitrag von Jan Techau

Unter dem Titel „Europa wie es sinkt und lacht“ hat Ulrike Guérot in der IP-Märzausgabe eindringlich für ein großes und politisches Europa plädiert und Deutschland an seine Verantwortung für das Projekt EU erinnert. Doch so richtig es ist, auf die Dringlichkeit der Lage hinzuweisen, so wichtig ist es auch, der Autorin an zwei Stellen deutlich zu widersprechen.

Brief aus… Kuala Lumpur

Fenster auf, frische Luft rein!

Beitrag von Mona Eltahawy
Internationale Presse

Juristische Jahrhundertpleite

Beitrag von Stefan Scholl
Schlusspunkt

Die Sucht nach Unsterblichkeit

Beitrag von Alan Posener
Service

Buchkritik

Dokumentation

Dokumente aus dem Zeitraum März-April 2009

IP-Index

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