Juli/August 2008

Die Ohnmacht der Mächtigen

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Nach dem Ende des Kalten Krieges waren die USA für ein Jahrzehnt die unangefochten einzige Supermacht. „Eine Welt, die einst geteilt war in zwei bewaffnete Lager, erkennt nun eine einzige und überragende Macht an, die Vereinigten Staaten von Amerika“, verkündete Präsident George Bush sen. 1992. Doch Amerikas „unipolarer Moment“ ist vorbei, da sind sich die meisten Außenpolitiker einig. Die Macht des reichsten und militärisch stärksten Staates der Welt reichte nicht aus, um den Irak zu stabilisieren, den Israel-Palästina-Konflikt zu lösen, Afghanistan zu befrieden und den islamistischen Terror zu beenden.

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Titelthema

Kein Lotse an Bord

Beitrag von Wolfgang Nowak

Die ohnmächtige Supermacht: Keine der globalen Krisen vermögen die USA noch allein zu schultern. Doch wer tritt an ihre Stelle? Wer sind die Mächte von morgen? Wie sehen ihre Zukunftsentwürfe aus? Eine Konferenzreihe der Alfred Herrhausen Gesellschaft befragt dazu weltweit Denker und Lenker – und hofft auf Antworten, die alle teilen können.

Wer die nichtpolare Welt regiert

Beitrag von Adam Roberts

Die USA haben die Führungsrolle in der Weltordnung verloren. Wer sind ihre Nachfolger? Die Antwort: Es gibt keine. Konflikte werden künftig von denen gelöst, die gerade am besten dazu geeignet sind. Die Vereinten Nationen sind nur eine Option von vielen. Das kann zum Kampf aller gegen alle führen – oder es entsteht ein stabiles Gleichgewicht.

Interimperiale Beziehungen

Beitrag von Parag Khanna

Die heutige globale Machtverteilung ähnelt einem dreibeinigen Hocker: Die USA, die EU und China sind die drei dominierenden „imperialen“ Mächte. Nur wenn alle drei Beine gleich gut stehen, sprich ein ausbalanciertes Gleichgewicht ihrer Macht anstreben, lässt sich auf dem Hocker sitzen – und ein neues globales Ordnungssystem kann entstehen.

Die 50-jährige Unbekannte

Beitrag von Ulrich Beck

Zuweilen gleicht die Europäische Union einer geheimnisvollen älteren Dame ohne Namen und Ziel. Ihr fehlt ein politisches Narrativ – vorläufig gibt es nur ein negatives. Die große Chance der EU heißt „kosmopolitische Realpolitik“: Sie könnte ein Paradigma dafür entwickeln, wie sich globale Gefahren durch zwischenstaatliche Kooperation angehen lassen.

Wuchern der Verknüpfungen

Beitrag von Saskia Sassen

Privat verabredete Rahmenbedingungen für weltweit agierende Unternehmen, ein Internationaler Strafgerichtshof, Menschen mit verschiedenen Staatsbürgerschaften: Das Territorium, die Autorität und die Rechte zerfallen und neue Verknüpfungen entstehen, die mit der herkömmlichen Formel „national unterliegt global“ nicht zu erklären sind.

Amerikas neue Agenda

Beitrag von Strobe Talbott

Nach acht Bush-Jahren sind Ansehen und Macht der USA auf dem Tiefpunkt. Der neue Präsident wird vor einem Gebirge schwierigster Aufgaben stehen. Vor allem auf drei Dinge kommt es dann an: Er muss die Prioritäten erkennen und schnell handeln. Und er braucht engagierte, weitblickende, durchsetzungsfähige Verbündete – sprich ein starkes Europa.

Geschichte, die nicht enden will

Beitrag von Robert Kagan

Anders als erwartet brachte das Ende des Kalten Krieges nicht das gelobte demokratische Zeitalter. Autokratische Regime wie Russland, China oder der Iran gewinnen zusehends an Macht. Der Westen muss sich entscheiden: Wollen wir die Welt nach unseren Vorstellungen formen oder uns in einer Weltordnung einrichten, die andere gestaltet haben?

Gut für Europa, gut für die Welt

Beitrag von Peter Mandelson

Europäer blicken mit wachsender Angst auf die rasanten Veränderungen der Weltwirtschaft. Macht sie ärmer, was die Chinesen reicher macht? Müssen sie ihre offenen Märkte vor Konkurrenz abschotten, um zu überleben? EU-Handelskommissar Peter Mandelson plädiert energisch gegen einen neuen europäischen Protektionismus.

Eine Lanze für liberale Interventionen

Beitrag von Jonathan Powell

Gerade an die Linke richtet dieser Befürworter des Irak-Kriegs sein Plädoyer, sich nicht auf die bequeme, aber veraltete Position der Nichteinmischung zurückzuziehen. Gegen Unrecht global einzuschreiten und wehrlose Menschen vor brutaler Gewalt zu schützen, muss heute das oberste Gebot moralischer Politik sein. Die Frage ist nur: Wie?

Gut gebrüllt, Maus!

Beitrag von Wess Mitchell

Es ist nicht leicht, klein zu sein. Schon gar nicht in der Weltpolitik. Wenn es gut läuft, darf man das Tafelsilber auftragen; weit öfter aber steht man selbst auf der Speisekarte. In Mittel- und Osteuropa kennt man diese Situation nur zu gut. Doch heute stehen die geostrategischen Chancen der Region besser denn je.

Gullivers Fesseln

Beitrag von Henrik Schmiegelow und Michèle Schmiegelow

Die größten Probleme der Menschheit sind inzwischen global – Klimawandel, Ernährungskrise, Ressourcenknappheit etc. lassen sich nicht mehr mit politischen oder militärischen Mitteln einzelner „Mächte“ lösen, sondern nur noch gemeinsam. Der Zwang zur Zusammenarbeit wird die kommende Weltordnung entscheidend prägen.

Neustart der Geschichte

Beitrag von Sergej Karaganow

Wir befinden uns in einer Periode des Übergangs. Die Demokratien regieren die Welt nicht mehr allein; zu den „Aufsteigern“ unter den großen Mächten gehören auch autoritäre Regime. Welche Form der Global Governance sollten wir anstreben? Das wiedererstarkte Russland will – schon aus Eigeninteresse – international kooperieren. Aber der Westen muss aufhören, Moskau vor den Kopf zu stoßen.

Partner – oder Erziehungsberechtigter?

Beitrag von Pang Zhongying

Entgegen seiner Rhetorik hat sich Peking in letzter Zeit intensiv an Aktionen der internationalen Gemeinschaft beteiligt. Dennoch gilt es als Quelle vieler Weltprobleme. Die Chinesen empfinden das als ungerecht – zumal die Weltordnung noch immer keine universale, sondern eine vom Westen dominierte ist. Reformbedarf besteht auf allen Seiten.

Reform oder Bedeutungslosigkeit

Beitrag von Hitoshi Tanaka

Die Struktur der internationalen Institutionen ist so veraltet, dass sie rapide an Legitimität verlieren und ihre Ordnungsfunktionen nicht mehr wahrnehmen können. Werden sie jetzt nicht umfassend reformiert, sinken auch die Chancen, den überwältigenden Aufstieg der neuen asiatischen Mächte in geordnete, kooperative, friedliche Bahnen zu lenken.

Brückenbauer am Ganges

Beitrag von Brahma Chellaney

Auf dem Weg zu einer multipolaren Weltordnung tun sich Brüche auf: Die ressourcenhungrigen Schwellenländer beuten die wirtschaftlich Abgehängten aus. In Asien verbünden sich demokratische Staaten gegen autokratische Regime. Indien kann dank seiner demokratischen, konsensgeprägten Traditionen helfen, diese Spaltungen zu überwinden.

Klimawandel? Kein Thema

Beitrag von Khaled Hroub

Was denkt die arabische Welt über die Zukunft der Weltordnung? Die Lektüre ihrer wichtigsten außenpolitischen Journale zeigt: Arabiens Eliten sind immer noch so sehr mit dem eigenen Bauchnabel beschäftigt, dass ihnen kaum Zeit bleibt für die Betrachtung globaler Probleme. Der Aufstieg neuer Mächte freut sie; aber die Globalisierung macht ihnen Angst.

Drei Prinzipen für drei Problemstaaten

Beitrag von Volker Perthes

Will der Westen künftig eine erfolgreichere Politik gegenüber problematischen Staaten betreiben, sollte er sich an drei Prinzipien orientieren: an der Unterscheidung zwischen legitimen und illegitimen Interessen dieser Länder, an der Klarstellung der eigenen Prioritäten sowie an dem Engagement dieser Staaten, um sie zu Verhaltensänderungen zu bewegen.

Welthandel zum Mitmachen

Beitrag von Ricardo Lagos und Sebastian Herreros

Subventionen, Zölle, Marktzutritt: Zwischen Industrie- und Entwicklungsländern tobt ein Kampf um den globalen Handel. Um ein faires System zu entwickeln, gilt es, wirklich arme Staaten von Aufsteigern zu unterscheiden und den Süd-Süd-Markt zu fördern. In Lateinamerika ist das wegen ideologischer Grabenkämpfe schwierig.

Auf dem Weg zum Weltstaat?

Beitrag von Inge Kaul

Erst Blockierer, jetzt Vermittler: Unter dem Zwang weltweiter Krisen und dem Druck, globale öffentliche Güter wie Frieden, Klima- und Finanzstabilität bereitzustellen, ändert der Nationalstaat seine Rolle. Mehr und mehr verzahnen sich binnenländisches Handeln und internationale Anforderungen – die politische und soziale Globalisierung folgt der ökonomischen.

Kolumnen
Werkstatt Deutschland

Multipolares Deutschland

Beitrag von Paul Nolte

Nicht nur die Weltordnung pluralisiert und fragmentiert sich; ähnliche Prozesse sind auch innerhalb der deutschen Politik und Gesellschaft zu sehen

Ökonomie

Die Neuvermessung der Welt

Beitrag von Helmut Reisen

Entscheidend für die künftigen Weltstrukturen wird die Verteilung von Ressourcen, Gewinnen und Macht sein

Kultur

Weltbürger Migrant

Beitrag von Zafer Şenocak

Über die Vorzüge, mit mehr als einem Land verbunden zu sein – und warum die Nationalstaaten Europas lernen müssen, damit umzugehen

Technologie

Mathe ist Mädchensache

Beitrag von Tom Schimmeck

Einst glaubte der Mann, das größere, also bessere Hirn zu haben. Nun häufen sich Hinweise auf maskuline Defizite auch oberhalb der Nase

Service

Buchkritik

Dokumentation

Die Dokumentation enthält:
Rede des russischen Staatspräsidenten Dimitrij Medwedew auf Einladung der DGAP und anderer Organisationen in Berlin

Rede von Bundesentwicklungsministerin Wieczorek-Zeul zu den strategischen Herausforderungen der deutschen Entwicklungspolitik in der DGAP, Berlin

und weitere...

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