Dezember 2008

Die Stunde der Staaten

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Großkrisen und Staatsathleten
Als philosophisches Präludium zum 21. Jahrhundert formulierte Peter Sloterdijk in seinem Essay „Im selben Boot. Versuch über die Hyperpolitik“ die Herausforderung künftigen Regierungshandelns: Der national beschränkte Politiker müsse zum „Staatsathleten“ werden, der „die globale Disproportion zwischen den benötigten Kräften und den vorhandenen Schwächen“ überwindet. Heute, im Jahr eins nach Ausbruch der US-Kreditkrise, herrscht im „Weltinnenraum des Kapitals“ Panik. Und das Sloterdijksche Diktum erfährt eine geradezu hellseherische Aktualität. Wer noch immer Zweifel an der weltwirtschaftlichen Interdependenz und Beschleunigung durch die Globalisierung hatte, erfährt in diesen Wochen, dass alles mit allem zusammenhängt. Der Kreditvirus, der zunächst in Amerika wütete, steckt Land für Land an; Staatshaushalte kollabieren, Unternehmen sterben, Börsen stürzen. Der renditehungrige „Raubtier-Kapitalismus“ (Helmut Schmidt), der die Welt infizierte, soll nun mit einer globalen Ausnüchterungstherapie besiegt werden.

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Titelthema

Rechnet mit Amerika

Beitrag von Clive Crook

Europa leidet unter den Folgen der Bankenkrise. Trost verspricht ein Blick über den Atlantik: Ist es jetzt vorbei mit der ökonomischen Dominanz der Vereinigten Staaten? Nein. Amerika bleibt stark, innovativ und tatkräftig. Und: Im Alleingang können weder Europäer noch Amerikaner das kollabierte Finanzsystem wieder auf die Beine stellen.

Hohepriester der Märkte

Beitrag von Heribert Dieter

Deregulierung und Liberalisierung: Amerikas Politik ist gescheitert

„Europa muss seine Chance nutzen“

Interview von Dr. Donald Kalff

Die einseitige Fixierung auf Gewinnmaximierung und den Börsenkurs hat die US-Wirtschaft in die Krise geführt. Europas Unternehmen stehen besser da und könnten ihre Vorteile noch stärker ausspielen. Ein Gespräch mit dem Niederländer Donald Kalff über den Trugschluss des Shareholder Value, die Hybris der Banken und die Zerstörung des amerikanischen Finanzsystems

Die Geopolitik der Finanzkrise

Besserwisser in Bedrängnis

Beitrag von Nikolaus Piper

Nach der Schadenfreude kam der Schock: Der alte Kontinent und die Krise

Das Dollar-Paradoxon

Beitrag von Bernd Ziesemer

Die Finanzkrise macht die Volksrepublik mächtiger und abhängiger zugleich

Die Achillesfersen des Riesenreichs

Beitrag von Stefan Meister

Einbruch des Ölpreises, Abzug von Geldern: Russlands Wirtschaft lahmt

Gegen Ansteckung nicht immun

Beitrag von Helmut Reisen

Die Kreditkrise der Industrieländer beeinträchtigt die Entwicklungsfinanzierung

Asche auf ihrem Haupt

Beitrag von Michael Wohlgemuth

Nicht zuviel Laisser-faire, sondern verheerende staatliche Interventionen, die allesamt gegen die Regeln des Marktes verstoßen haben, brachten das Finanzsystem an den Rand des Kollaps. Ausgerechnet politisch verbilligtes Geld, das die Kreditkrise erst ermöglicht hat, soll nun die erhoffte Rettung bringen. Am nächsten Brandbeschleuniger wird bereits gezündelt.

Der Bankrott der Ökonomen

Beitrag von Karen Horn

Die Finanzkrise enthüllt auch das Versagen der Wirtschaftswissenschaften

Wächter in Ketten

Beitrag von Christian Thimann

Der IWF kann künftige Finanzkrisen nur verhindern, wenn er gestärkt wird

Schelte für die Schiedsrichter

Beitrag von Martin Hellwig

Für Politiker und Medien sind die Schuldigen klar: Gierige Banker haben in US-Schrotthypotheken investiert und sich verspekuliert. Dabei haben die Folgen der Hypothekenkrise nur die immanenten Risiken des Finanzsystems aufgedeckt. Es gilt, die bestehenden Kontrollmechanismen neu zu justieren, damit sie vom Teil des Problems zur Lösung werden.

Neue Regeln für den nächsten Boom

Beitrag von Markus Brunnermeier

Was wir jetzt ändern müssen, damit künftige Krisen verhindert werden

Die nächste Krise kommt bestimmt

Beitrag von Rainer Hank

Frühwarnsysteme nützen nichts, wohl aber ordnungspolitische Grundsätze

Internationale Politik

Obamas „Green New Deal“

Beitrag von Jürgen Trittin

Die Ziele sind ehrgeizig, die Chancen stehen gut: Innerhalb der nächsten zehn Jahre will Barack Obama 150 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investieren und sich für die Einführung des Emissionshandels stark machen. Die USA kehren auf die Bühne internationaler Klimaverhandlungen zurück – einer drastischen CO2 Reduktion werden sie dennoch nicht zustimmen.

„Das Ende der westlichen Dominanz“

Beitrag von Kishore Mahbubani

Amerika wird noch lange Supermacht bleiben, doch die Zeiten einseitiger Belehrungen sind vorbei: Ein Gespräch mit dem ehemaligen UN-Botschafter Singapurs und jetzigen Politikprofessor Kishore Mahbubani über das neue asiatische Selbstbewusstsein, das Scheitern westlichen Demokratieexports und die weltweiten Hoffnungen in Barack Obama.

Opium fürs Volk

Beitrag von Yu Liu

Fische verteilen und das Angeln verbieten – so lässt sich der Erfolg von Staatspräsident Hu Jintao mit einem Sprichwort beschreiben. Mit Initiativen in der Gesundheits-, Landwirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik machte er sich bei Millionen seiner Landsleute beliebt. Deren Lebensverhältnisse verbessern sich. Doch demokratische Reformen sind nicht in Sicht.

Was lange währt, wird noch nicht gut

Beitrag von Marianne Heuwagen

Seit 60 Jahren gibt es die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, doch die Diskrepanz zwischen ihrem Anspruch und der Realität ist ernüchternd: Weltweit gibt es fast keinen Staat, in dem sie nicht verletzt werden. Auch Deutschland könnte wesentlich mehr tun als nur Lippenbekenntnisse abzugeben – doch Berlin bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Koffer aus Caracas

Beitrag von Carlos Widmann

Compañero Fidel, Hurrikan Hugo und die Grenzen des Linkspopulismus in Lateinamerika

Service

Buchkritik

Brennpunkt

Sterben für Tutsiland

Beitrag von Thomas Knemeyer

Im Kongo droht der zweite Weltkrieg Afrikas. Nur eine internationale Elitetruppe könnte das Morden beenden. Doch wer will Blut dafür vergießen?

Brief aus … Washington

Obamas Hausaufgaben

Beitrag von Wess Mitchell

Die neue, multipolare Weltordnung erfordert vom designierten Präsidenten viel Geschick – zum Glück gibt es das kleine ABC der amerikanischen Staatskunst

Internationale Presse

Weltretter oder Wichtigtuer?

Beitrag von Claudia Deeg

Frankreichs Präsident Sarkozy gefällt sich als Krisenmanager

Schlusspunkt

Abschied von Annapolis

Beitrag von Margret Johannsen

Viel Prozess, kein Erfolg: Der Nahe Osten braucht endlich einen Friedensvertrag

Dokumentation

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